...O.K. by me in America, everything free in America, for a small fee in America
singen die Damen in Bernsteins Westside Story, so ist nach nem halben Jahr im Golden State es an der Zeit für eine Zwischenbilanz:
Folge 1: It's all about money
Da sich ja seit dem 'black monday' alles um das Schwungrad Geld geht setze ich hier den ersten 'knallharten' Vergleich an.
Nunja es ist so, dass man als Europäer die schönen Euros in ihrer ganzen internationalen Vielfalt gewöhnt ist, die zudem auch aus Baumwolle gewebt werden und über zahlreiche Sicherheitsmerkmale verfügen.
Ganz anders der Dollar: Ein grünliches meißt verdrecktes Stück Papier, das versch. Berichten zufolge früher auch gern mal selbst mit dem Farbkopier hergestellt wurde - vielleicht auch aus diesem Grund nehmen die wenigsten Geschäfte Noten über 20 Dollar an - , und oft so zerknittert ist, dass sie in die verschiedensten Automaten gar nicht mehr reinpassen.
Neben dem durch George Washington verzierten 'Buck' ist ja Change grad gewaltig angesagt. Wenns net der Barack sagt, dann sicher ein Penner auf der Straße und von denen gibts viele, dazu später mehr. Auf jeden Fall is das ganze Münzgeld, eben der Change, für rein gar nichts brauchbar, klammert man mal den Quarter, also 25 cent, aus, den man zumindest noch im Waschsalon verbraten kann.
Weil das Bargeld in Münzform also entweder weggeworfen, nem Penner ('Bun') gegeben oder lieblos in nen Tip-Becher (Trinkgeld) eines Fastfood-Restaurants geworfen wird und diese Geldspange für die Bills so unpraktisch ist verzichtet man lieber gleich drauf und verschuldet sich gern über die Kreditkarte, was ja seit Mitte der Neunziger ganz groß angesagt ist, bzw. mittlerweile nichtmehr. Gern werden Kreditkarten über eine zweite Kreditkarte gedeckt usw. und zuletzt hab ich mal wieder mitbekommen, wie ein Student sich nen dicken Flachbildfernseher gekauft hatte, schließlich aber feststellen musste, dass er deswegen seine monatliche Miete gar net mehr zahlen konnte. Diese ganze Kreditkartentum kann schon ziemlich an die Nerven gehen, wenn gefühlte 30 % der Mittagspause in der Kassenschlange verbracht werden, da fast jeder Ami mit Karte zahlt und dieser ganze eintippen-warten-zettelziehen-unterschreiben-Vorgang die ofenfrische Pizza in windeseile erkalten lässt.
Ja is schon lustig mit den Konsumenten hier, mittlerweile hat sich bei uns auch eingeschlichen anstelle von 'kaufen' gern 'konsumieren' zu sagen.
Wurde der am letzten Freitag ausgestellte Lohnscheck nicht komplett übers Wochenende in der Megamall verkonsumiert bietet sichs an ihn auf die Bank zu tragen - denkt der Europäer. Ganz anders die Amerikaner: Da Schecks hier noch total in sind, gibt es an jeder Ecke Cashiers die einem zu unterschiedlichen Preisen den Scheck in bare Münze machen. Dass man sie auch in vielen Supermarktketten einlösen und sich den Rest des Monatslohns bar auszahlen lassen kann versteht sich von selbst.
Sollte dennoch einer auf die absolut irrwitzige Idee kommen, sein Geld auf die Bank zu tragen wird die von nem Mitmenschen mexikanischer Herkunft blitzeblank geputze Drehtür zur Bank zur Reise in die nicht digitale Vergangenheit.
Überweisungen? Fehlanzeige! Dauerauftrag? Kannste knicken! Kaum zu glauben aber im Land des Ca$hs ist es einfach unmöglich normale Banktransaktionen durchzuführen. So bringen wir unsere monatliche Miete, ein ca. 4 cm dicker Dollarbündel, unserem Vermieter in bar vorbei. Überweisungen wären prinzipiell schon möglich, nur wird dann einfach ein Scheck ausgestellt, kopiert oder orignial per Post verschickt, wenns gut läuft durch den Scanner gezogen, und der Empfängerbank zukommen gelassen.
Immerhin wird oft eine telefonische Bezahlung angeboten, in dem man per Telephon seine Kreditkarte belastet. Oft wird das aber auch nicht angeboten und daher bezahlen wir seit geraumer Zeit unsere monatliche Strom- und Gasrechnung in Bar an nem Kassenhäuschen in Berkeley, es ist einfach nicht zu glauben.
Onlinebanking scheint es hier soweit schon zu geben aber mit dem europäischen Standard ist es einfach nicht zu vergleichen und man kommt sich in dieser Hinsicht vor, als wäre man in nem Entwicklungsland!
Soviel zum Geld. Seit Montag wird wieder fleißig gearbeitet, das alles aber bei sonnigen 20-23 ° C, sodass das ein oder andere Sonnenbad auf meinem büroeigenen Balkon nicht fehlen darf.
Viele Grüße ins 35-40° kältere Deutschland aus Berkeley vom Bert